Sonntag, 10. Januar 2016

Forscherferien Weihnachten 15/16: Workshop zum Thema Leben mit Blindheit



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



Wertheim. In Deutschland gibt es über eine halbe Million blinde Menschen, im Main-Tauber-Kreis sind es 130 registrierte Blinde. Wie es ist ohne Sehsinn den Alltag zum meistern erfuhren 16 Kinder zwischen sechs und neun Jahren am Donnerstag bei den Forscherferien des Stadtjugendrings Wertheim. Die Sozialpädagogin Carolin Mischke aus Lauda zeigte ihnen mit vielen Erklärungen und Übungsaufgaben, wie man mit nur vier Sinnen den Alltag meistert. Mischke ist selbst blind und hat eine sehende Tochter von vier Jahren. Sie ist unter anderem ehrenamtliche Beraterin bei der Beratungsstelle Blickpunkt Auge in Lauda. Die jungen Forscher hatten viele Fragen. So wollten sie unter anderem wissen, wie man sich ohne Sehsinn einen Kaffee einschenken kann. Für heiße Getränke könne man elektronische Füllstandsmesser einsetzen, die bei erreichen der Füllhöhe piepen. Bei Kaltgetränken nehme man einfach den Finger. Damit man die zueinander passenden Socken findet, gebe es spezielle Sockentrenner, an denen man diese vor dem Waschen festmache. Für das Erkennen der Farbe gebe es Geräte, die diese Ansagen. Auf einen Blindenhut verzichte sie, erklärte die Expertin auf Nachfrage, der „hätte bei mir zu viel Freizeit“, verwies sie unter anderem auf ihren kurzen Arbeitsweg. Das Training eines solchen Hundes sei aufwendig und teuer, dann müsse er auch oft zum Einsatz kommen. Nachdem Mischke alleine mit dem Zug aus Lauda kam, wurden auch die Orientierungsmöglichkeiten am Bahnhof besprochen. So fänden sich dort als Orientierungshilfe verschiedene Rillen und Noppen die man mit dem Blindenstock bemerke. Menschen die blind werden, oder Blinde die in eine neue Stadt ziehen, würden ein Orientierungstraining absolvieren, um sich zurecht zu finden. Nachdem die verschiedenen Wege der Erblindung besprochen wurden, ging Mischke auf die Blindenschrift ein. Ausführlich wurde der Aufbau des Punktschriftalphabets erläutert und die Kinder konnten ein Buch mit Fühlbildern, Braille-Texten und gleichzeitig normalen Texten bestaunen. Münzen erkenne man an der Größe und der Oberfläche, Scheine an der Größe. Bei einer Fühlübung galt es Tierfiguren in Säckchen mit den Fingern zu erkennen. Bei einer weiteren Übung musste man den „blinden“ Partner per Sprachbefehle durch den Raum führen. Auch der Weg mit dem Blindenstock durch einen Parcours konnten die Kinder ausprobieren. Abschließend stellte Mischke verschiedene technische Hilfsmittel vor. „Viele werden heute durch das Smartphone mit entsprechenden Programmen ersetzt“, erklärte sie. Die Reflexionsrunde machte deutlich, dass die Nachwuchsforscher viel Neues erfahren haben.