Kreuzwertheim. Einen Einblick in das Leben ihrer Urgroßeltern erhielten
am Dienstag 20 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren im Rahmen der
Forscherferien des Stadtjugendring Wertheim. In der Prassekscheune
Kreuzwertheim lernten sie vieles über das Leben damals und konnten den
Alltag ihrer Vorfahren selbst ausprobieren. Die Kosten für die Aktion
übernahm die Alfred-Prassek-Stiftung Wertheim. Zu Beginn erfuhren die
jungen Forscher in einer Führung mit Museumsleiterin Gisela Hyn vieles
über das Handwerk und die Lebensweise der Menschen. So sah man unter
anderem die Werkstatt des Schuster und die Kinder lernten woher das
Sprichwort "Schuster bleib bei deinen Leisten" kommt. Erstaunen riefen
die 7 Milliarden Reichsmark hervor, die ein Brot dank der Hyperinflation
am 30. Oktober 1923 kostete. Unglaube rief auch die kleine Wohn- und
Schlafstube hervor, besonders die Information, dass diese meist nicht
beheizt war, und man mit Hilfe einer Metallwärmflasche die Füße wärmte.
Bärbel Klüpfel erzählte den Kindern in der Küche von ihrem Alltag als
Kind. Dabei berichtete sie, dass Kaffeeersatz früher aus heimischen Korn
hergestellt wurde, dass man Bügeleisen zum erwärmen mit Kohle füllte und
das das Waffeleisen direkt auf eine Herdöffnung gestellt wurde. Auch auf
alte Tischdecken und Kleidungsstücke aus ihrer Kinderzeit ging sie ein.
"In den Kühlschrank legte man Eisstangen von der Brauerei und kühlte
damit", berichtete sie. Das Eis habe man im Winter aus dem zugefrorene
Main geschnitten und im Brauereikeller an der heutigen Umgehungsstraße
des Markts gelagert. Zusammen mit Hyn galt es mit Kernseife,
Wäschestampfer und Waschbrett für saubere Wäsche zu sorgen. Während
dessen stellten weitere Kinder mit einem rund hundert Jahre alten
Butterfass aus Sahne Butter her. Klüpfel erläuterte ihnen dabei die
Herstellung. Im Kühlschrank halte die selbstgemachte Butter zehn bis 14
Tage. Über das Tempo der Nachwuchsforscher staunte sie. Sie hatten schon
nach fünf Minuten ein Ergebnis. "Der Rekord lag bisher bei 20 Minuten",
stellte sie anerkennend fest. Zu sehen gab es auch "Buttermodeln", mit
denen man die Butterstücke mit Mustern verzieren konnte. Außerdem wurden
selbst Limo aus Orangen hergestellt. An einer weiteren Stationen wurde,
angeleitet von Claudia Kern aus Esselbach, aus bunten Perlen und
Steinen, sowie Wolle und Seifenwasser Kunstwerke aus Filz geschaffen.
Klüpfel entführte die Kinder auch in ihrer Schulzeit, in der vor allem
Disziplin zählte. So mussten die Kinder zu zweit Hand in Hand im Kreis
über den Pausenhof laufen. "Herum springen war da nicht." In der Schule
habe man sehr auf Ordnung und Sauberkeit geachtet. In der ersten Klasse
sei mit Griffeln auf Schiefertafeln geschrieben worden, danach mit Tinte
auf Papier. Sie berichte auch von so manchem Schülerstreich. Außerdem
übten die Gäste das Schreiben einiger Wörter in alter deutscher Schrift.
Auch Lieder zum Schulstart und Ende wurden gemeinsam angestimmt. Für die
Nachwuchsforscher war es eine abwechslungsreiche Zeitreise von der alle
begeistert waren.



