Samstag, 6. Juni 2015

Forscherferien Pfingsten 2015: Leben zu Uromas Zeiten in der Prassekscheune erlebt

Kreuzwertheim. Einen Einblick in das Leben ihrer Urgroßeltern erhielten

am Dienstag 20 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren im Rahmen der

Forscherferien des Stadtjugendring Wertheim. In der Prassekscheune

Kreuzwertheim lernten sie vieles über das Leben damals und konnten den

Alltag ihrer Vorfahren selbst ausprobieren. Die Kosten für die Aktion

übernahm die Alfred-Prassek-Stiftung Wertheim. Zu Beginn erfuhren die

jungen Forscher in einer Führung mit Museumsleiterin Gisela Hyn vieles

über das Handwerk und die Lebensweise der Menschen. So sah man unter

anderem die Werkstatt des Schuster und die Kinder lernten woher das

Sprichwort "Schuster bleib bei deinen Leisten" kommt. Erstaunen riefen

die 7 Milliarden Reichsmark hervor, die ein Brot dank der Hyperinflation

am 30. Oktober 1923 kostete. Unglaube rief auch die kleine Wohn- und

Schlafstube hervor, besonders die Information, dass diese meist nicht

beheizt war, und man mit Hilfe einer Metallwärmflasche die Füße wärmte.

Bärbel Klüpfel erzählte den Kindern in der Küche von ihrem Alltag als

Kind. Dabei berichtete sie, dass Kaffeeersatz früher aus heimischen Korn

hergestellt wurde, dass man Bügeleisen zum erwärmen mit Kohle füllte und

das das Waffeleisen direkt auf eine Herdöffnung gestellt wurde. Auch auf

alte Tischdecken und Kleidungsstücke aus ihrer Kinderzeit ging sie ein.

"In den Kühlschrank legte man Eisstangen von der Brauerei und kühlte

damit", berichtete sie. Das Eis habe man im Winter aus dem zugefrorene

Main geschnitten und im Brauereikeller an der heutigen Umgehungsstraße

des Markts gelagert. Zusammen mit Hyn galt es mit Kernseife,

Wäschestampfer und Waschbrett für saubere Wäsche zu sorgen. Während

dessen stellten weitere Kinder mit einem rund hundert Jahre alten

Butterfass aus Sahne Butter her. Klüpfel erläuterte ihnen dabei die

Herstellung. Im Kühlschrank halte die selbstgemachte Butter zehn bis 14

Tage. Über das Tempo der Nachwuchsforscher staunte sie. Sie hatten schon

nach fünf Minuten ein Ergebnis. "Der Rekord lag bisher bei 20 Minuten",

stellte sie anerkennend fest. Zu sehen gab es auch "Buttermodeln", mit

denen man die Butterstücke mit Mustern verzieren konnte. Außerdem wurden

selbst Limo aus Orangen hergestellt. An einer weiteren Stationen wurde,

angeleitet von Claudia Kern aus Esselbach, aus bunten Perlen und

Steinen, sowie Wolle und Seifenwasser Kunstwerke aus Filz geschaffen.

Klüpfel entführte die Kinder auch in ihrer Schulzeit, in der vor allem

Disziplin zählte. So mussten die Kinder zu zweit Hand in Hand im Kreis

über den Pausenhof laufen. "Herum springen war da nicht." In der Schule

habe man sehr auf Ordnung und Sauberkeit geachtet. In der ersten Klasse

sei mit Griffeln auf Schiefertafeln geschrieben worden, danach mit Tinte

auf Papier. Sie berichte auch von so manchem Schülerstreich. Außerdem

übten die Gäste das Schreiben einiger Wörter in alter deutscher Schrift.

Auch Lieder zum Schulstart und Ende wurden gemeinsam angestimmt. Für die

Nachwuchsforscher war es eine abwechslungsreiche Zeitreise von der alle

begeistert waren.