Wertheim / Osterburken. Eine Reise ins Mittelalter erlebten 28 Kinder
zwischen sechs und zehn Jahren im Rahmen der Forscherferien des
Stadtjugendring Wertheim e.V. Zusammen mit den ehrenamtlichen Betreuern
Birger-Daniel Grein, Alfons Göpfert und Pamela Nembach besuchten sie den
Adventon Mittelalterpark in Osterburken und erfuhren dabei vieles über
das Leben in dieser Zeit. Geführt wurden die Kinder von zwei
Mitarbeitern des Parks in historischer Kleidung. Diese erklärten, das
Ziel von Adventon sei der Nachbau einer mittelalterlichen Stadt mit den
Materialien und Methoden von damals. Das Mittelalter habe etwa 500 nach
Christus begonnen und sich über eine Zeit von rund tausend Jahren
erstreckt. In dieser Zeit hätte sich vieles verändert. Wie diese
Änderungen aussahen, wurde beim Rundgang deutlich. Zuerst erfuhren die
Kinder wie Balken für die Häuser hergestellt wurden. Dazu habe man
Baustämme schälen und anschließend mit der Axt behauen müssen. "Wenn man
gut ist, schafft man einen Balken am Tag", verdeutlichten die Experten.
Verarbeitet habe man frisches Holz, denn dieses sei nicht so fest.
Anhand eines Gebäudes im Aufbau wurde auf die Dachkonstruktion
eingegangen. Bedeckt waren die Dächer mit Holzschindeln. "Holz war sehr
billig oder sogar kostenlos zu bekommen", hieß es dazu. Die Kinder
durften danach selbst versuchen Dachschindeln aus einem Stück Baumstamm
zu schlagen, was nach einigem Üben auch gelang. Auch ein historischer
Bohrer konnte getestet werden. Weiter wurden die Funktionsweise der
Kranen von damals und des Flaschenzugs besprochen. Die jungen Forscher
erfuhren an der nächsten Station wie ein mittelalterlicher Backofen
funktionierte und welche Bedeutung die Lehmschicht darum hatte. Einige
der Häuser durften die Kinder betreten. Sie staunten, dass auf dem Dach
eines kleineren mittelalterlichen Fachwerkhaus 10 000 bis 12 000
Schindeln liegen. Früher habe man nur wenig Fenster eingebaut, denn es
habe noch keine so großen Glasscheiben gegeben und ein Fenster bedeutete
Wärmeverlust, betonten die Parkführer. Auf Aufbau und Verputz der Wände
wurde ebenso ausführlich eingegangen. Wege hätten früher einfach aus
Erde bestanden. "Damit die Kleidung nicht schmutzig wurde trugen reiche
Leute Gehwege zum Mitnehmen", erklärten die Mitarbeiter und zeigten hohe
Schuhe mit Holzsohle. Weitere Stationen waren der Brunnen, eine
Stadtmauer im Aufbau sowie landwirtschaftliche Gebäude, wobei die
Nachwuchsforscher auch die Kleidung der Bauern kennenlernten.
Jedes Kind durfte sich einen Nagel aus Holz herstellen. Während der
Pause gab es eine mittelalterliche Stärkung. In der Schmiede erfuhr man
woher der Ausdruck "einen Zahn zulegen" stammt. Es folgten weitere
Themen, der Abschluss fand im Bereich der Wikinger statt, wo die Kinder
das Funkenschlag mit Feuerstein und Feuerstahl testen konnten. Mit einem
alten Kinderspiel und einem Quiz lies man den erlebnisreichen Besuch
ausklingen.


