Samstag, 21. Juni 2014

Forscherferien Pfingsten: Vieles über die Kläranlage und ihre Funktion gelernt

 
Bestenheid. Einen Einblick in die Funktion der Zentralkläranlage
Bestenheid bekamen 12 junge Forscher der ersten bis vierten Klasse am
Dienstag im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring Wertheim.
Betriebsleiter Christian Fecher führte sie durch die Anlage und erklärte
die eingesetzte Technik. Dabei beantwortete geduldig die vielen Fragen
der Teilnehmer. Einleitend stellte er seinen Beruf, den staatlich
geprüften Abwassermeister vor.
"In der Kläranlage riecht, sie stinkt nicht", betonte er und räumte ein,
dass man sich an Geruch gewöhnen würde. Der Rundgang begann an den
Schneckenpumpen die das ankommende Abwasser in die Kläranlage pumpen.
Ihre Kapazität reicht von 50 Litern pro Sekunde, wie sie bei Trockenheit
üblich sind, bis hin zu 210 Liter pro Sekunde bei Regen. Je nach
Wassermenge wären verschiedene Schnecken in Betrieb, so der Experte.
Würde noch mehr Wasser ankommen, kämen die Regenrückhaltebecken mit noch
größeren Schneckenpumpen in Betrieb. Diese schaffen gemeinsam bis zu
2470 Liter pro Sekunde. Wie er ausführlich darlegte, unterscheidet sich
auch der Klärprozess, dieses Wassers, das hauptsächlich aus Regenwasser
besteht. Das Becken diene auch als Zwischenspeicher wenn speziell
verunreinigtes Wasser in die Kläranlage kommen würde, das Beispielsweise
durch Chemikalien belastet ist.
Weiter ging es mit dem regulären Klärprozess. Über zwei Abwasserstraßen
gelangt es zum Gebäude mit den Filterstufenrechen. Diese hätten eine
Spaltenbreite von vier Millimeter. Alles was größer ist bleibt hängen,
zum Beispiel Toilettenpapier. "Durch den Belag der an den Lammelen
hängen bleibt, werden auch kleinere Teilchen zurück gehalten.", erkläre
Fecher. Die dabei entstehenden Abfälle würden gepresst und auf der
Mülldeponie in Dörlesberg gelagert.
Weiter ging es zum kombinierten Sand- und Fettfangbecken. Es hat eine
Tiefe von rund 5 Meter ab Oberkante . Der Sand sinke und setze sich auf
dem Beckenboden ab. Das Fett hingegen schwimme oben. Es wird durch Luft
erst mit dem Wasser vermischt und treibt dann in der Fettabscheidekammer
auf. Fecher erklärte auch die Sandwaschmaschine in der der Abgetrennte
Sand gereinigt wird. Anschließend könne man ihm zum Beispiel bei der
Verlegung von Wasserröhen einsetzen.
Auch die Maschinen zur automatischen Probeentnahme wurden im Detail
erklärt. Weiter ging es beim Vorklärbecken. Hier setzt sich der
restliche Schlamm ab und wird mit einem Längsrechen zusammengeschoben.
Diesen sahen die jungen Forscher in Aktion. Außerdem durften sie
gemeinsam das große Ventilrad für die Schlammabteilung öffnen. Der
Schlamm komme in einen Faulbehälter und werde von Bakterien zersetzt.
"Das entstehende Methangas verbrennen wir in einem Blockheizkraftwerk
und erzeugen so unsere eigenen Strom und unsere eigenen Wärme",
erläuterte er. Im Denitrifikationsbecken würde durch Mikroorganismen der
Stickstoff aus dem Nitrat abgeschieden und gelange in die Luft. Diese
kleinen Lebewesen kommen auch im Belebungsbecken zum Einsatz. In dieses
wird Sauerstoff zugeführt. Die Organismen zerssetzen dann weitere
Schmutzstoffe wie Kohlenstoff.
Letztlich gelangt das wasser in das Nachklärbecken. Dort setzt sich der
Klärschlamm ab und das gereinigte Wasser gelangt in den Main. "Allgemein
gilt, je mehr Wasser bei uns ankommt desto schneller wird es geklärt",
so Fecher. im Regfall dauert das Durchlaufen der Anlage bei Trockenem
Wetter ungefähr sechs Stunden. Bei Trockenheit durchliefen täglich
zwischen 3000 bis 4000 Kubikmeter Abwasser die Anlage, teilweise sind es
auch 5000. Die Gesamtreinigungsleitung würde dabei bis zu 90 Prozent
betragen.
Zum Abschluss sahen die Kinder im Labor Wasserproben aus den
verschiedenen Klärstufen und so die Verbesserung ihrer Reinheit.
Außerdem durften sie sich die eingesetzten Mikroorganismen unter dem
Mikroskop ansehen. Dabei entdeckte man unter anderem Glocken - und
Pantoffeltierchen.