Einblick in die Türkische Küche und Kultur
Wertheim. Mit dem Wort "merhaba", das heißt auf türkisch Hallo, begrüßte Süleyman Ulusoy 21 Kinder in seinem Restaurant. Die Jungen und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren nahmen im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring Wertheim an einem türkischen Kochkurs im Restaurant Ulusoy in Wertheim teil. Dabei lernten sie nicht nur einige Kochtricks sondern auch vieles über das Leben und die Kultur der Menschen in der Türkei. Neben dem gesponserten Essen nahmen sich Ulusoy und seine Frau Hava, viel Zeit den Kindern etwas über die türkische Küche und Lebensart zu berichten. Aufgeteilt in fünf Gruppen wurde die Zubereitung der Speißen in Angriff genommen. Dabei konnte jedes Kind alle Tätigkeiten ausprobieren. So wurde Gemüse geschnitten und aus Milch, Sahne und Kreuterfrischkäse eine Soße zubereitet. Im Ofen wurde daraus ein leckere Gemüseauflauf als Beilage. Auf der anderen Seite der Küche wurden Putenstreifen geschnitten, in Milch gewendet und anschließend mit einer Marinade aus Rapsöl, scharfem Paprika und Salz überzogen. Aufgespießt wanderten sie dann auf den Grill. Dazu gab es selbstgemachte frittierte Kartoffelchips, wozu die Kartoffeln erst geschält und geschnitten werden mussten. Auch beim Salat galt es zu schnippeln. Während sich einige Kinder um die Salatsoße kümmerten schnitten andere fachmännisch Salat, Gurken, Tomaten und Paprika. Auch das schöne Anrichten und richtige Eindecken der Tische wurde geübt. "Mir gefiel besonders das Fleischschneiden", berichtete der zehnjährige Dennis und die siebenjährige Anna ergänzte: "Ich fand alles toll!"
Während der Aktion hatte jede Gruppe mit Hilfe kindgerechte Texte eine Information über die Türkei und deren Kultur vorbereitet. Diese stellten sie vor dem Essen den anderen Kindern vor. Dabei kamen auch viele Fragen auf, die Ulusoy geduldig und fachmännisch beantwortete.
Nach dem eine Gruppe etwas über die Türkei als Land berichtet hatte wollten die jungen Forscher wissen ob die Kinder dort in der Schule auch Deutsch lernen können, was der Experte bejahte. Auch Henna als Haut- und Haarfarbe wurde ausführlich besprochen. Auf Nachfrage der Kinder stellte Ulusoy fest, dass es in der Türkei keine regionalen Trachten wie bei uns gebe.
Die nächste Gruppe berichtete über den muslimischen Glauben. Ulusoy erklärte, dass die fünf täglichen Gebete immer Richtung Mekka geführt werden. "Das ist bei uns Richtung Sonnenaufgang", verdeutlichte er. An anderen Orten hilft den Muslimen ein kleines Gerät beim festlegen der Gebetsrichtung. Weiter fragten die Kinder nach den Rechten der Frauen und die Meinung der türkischen Bürger zu anderen Religionen. "In der Türkei kann jeder seine Religion leben", berichtete er, "auch die Mädchen und Jungen sind gleichberechtigt". Frauen dürfen zum Beispiel auch ohne Kopftuch unterwegs sein. "In der Türkei orientieren sich die Menschen in ihrem Glauben nur am Koran. Andere Länder mischen dies mit ihrer Mentalität, so dass sie die Frauen einschränken, auch wenn dies der Koran gar nicht will.", erläuterte er weiter. "Man darf hier Mentalität und Religion nicht verwechseln!"
Auch mit dem Fastenmonat Ramadan beschäftigten sich die Kinder. "Darf ich auch den ganzen Tag nichts trinken, auch wenn ich Kopfweh habe", fragte die zehnjährige Sophia. Ulusoy erklärte: "Das Fasten ist immer freiwillig. Wer sich krank fühlt darf nach unseren Glaubensregeln gar nicht fasten."
Zum Abschluss berichtete eine Gruppe über das türkische Kinderfest am 23.April. Das Fest stiftete Mustafa Kemal Atatürk der Gründer der Türkischen Republik. "Es ist das einzige Fest das extra für Kinder gestiftet wurde", ergänzte der Restaurantinhaber.
Nach dem man sich auf türkisch einen guten Appetit gewünscht hatte ließen sich die Kinder ihr selbstgemachtes Essen schmecken. Neben viel Wissen rund um das Kochen konnten mit der Aktion bestimmt einige Vorurteile abgebaut werden.


