Reise in die Vergangenheit
Kreuzwertheim. Einen Nachmittag leben wie die eigenen Urgroßeltern. Diese besondere Erlebnis hatten 30 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring Wertheim. In einer Zeitreise in der Prassekscheune Kreuzwertheim konnten sie am Freitag das Leben ihrer Vorfahren hautnah erleben. Es war die erste museumspädagogische Aktion die das Museum veranstaltete. So entwickelte Museumsleiterin Gisela Hyn gemeinsam mit dem Stadtjugendring ein Konzept, dass den Kindern einen Einblick in die tägliche Arbeit ihrer Urgroßeltern ermöglichte.
Zuerst wurden die jungen Forscher durch das Museum geführt. Dabei konnten sie einen Blick auf alte Haushaltsgeräte und Handwerksgeräte werfen. Ein Teilnehmer entdeckte einen Schmalzopf auf dem alten Küchenschrank. "So etwas hat meine Oma zu Hause", erzählte er. Vieles brachte die Kinder auch zum Staunen. Genau beäugt wurde zum Beispiel das Bügeleisen das man zum erhitzen mit heißer Kohle füllte. Auch der Kühlschrank zog die Aufmerksamkeit auf sich. Er wurde im Sommer mit Eis gefüllt das die Brauereien lieferten. Diese hatten das Eis im Winter aus Seen und Flüssen geschlagen und dann im kalten Brauereikeller tief im Berg gelagert. "Wenn es im Sommer zu heiß war, gab es halt mal kein Eis für den Kühlschrank", berichtete Hyn.
Riesige Augen bekamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als sie von der Hyperinflation im Jahr 1923 hörten. Ende Oktober 1923 kostete ein Brot sieben Milliarden Reichsmark.
Nach Ende des Rundgangs testen die Kinder bei einem Quiz ihr neues Wissen.
Nun ging es daran den Alltag live zu erleben. Aufgeteilt in Gruppen durften die Kinder Alltagstätigkeiten von früher selbst durchführen. Dabei durchlief jedes Kind alle Stationen.
So kümmerte sich die erste Gruppe um die Wäsche. Zuerst mussten die schmutzigen Handtücher in einem Bottich gestampft werden. Die Wäschestampfer trugen dabei lustige Bezeichnungen wie "Wasch rasch" oder "Husch, Husch". Danach wurden sie eingeseift und auf dem Waschbrett mit einer Bürste abgeschrubbt. Nun konnten sie ausgewaschen und ausgewrungen werden. Gebleicht wurde die weiße Wäsche anschließend durch das Liegen in der Sonne.
"Früher dauerte eben alles etwas länger", erklärte Angelika Wohlmann, die die Station betreute, "man hat aber auch nicht so oft gewaschen wie heute".
Die Kinder fanden die Reinigung trotz der harten Arbeit toll. "Das ist cool", meinte der achtjährige Joseph.
Wie die Kinder damals drückten auch die jungen Forscher die Schulbank. Angeleitet von Gusti Kirchhoff übten sie die alte deutsche Schrift. "Das H sieht aus wie ein Notenschlüssel", stellte die neunjährige Sophie fest. Nach einiger Übung gelang es Kindern die alte Schrift zu lesen und selbst ihren Namen oder andere Wörter damit zu schreiben. Einige konnten auch ausprobieren, wie es ist auf den alten Schiefertafeln zu schreiben.
Zwei weitere Gruppen kümmerten sich um das Essen. Zusammen mit Brigitte "Maus" Wagner schlugen sie in einem Butterfass aus reiner Sahne Butter. Das war anstrengend für die Arme, machte den Kindern aber auch großen Spaß. Außerdem bereiteten die Kinder eine eigenen Limo zu. Dazu wurden Bioorangen mit Zucker bestreut und mussten anschließend ziehen. Mit Apfelsaft und Wasser übergossen gab dies eine leckeres Getränk aus der alten Zeit.
Auch für den Nachtisch wurde gesorgt. Unter Anleitung von Hyn stellten die jungen Forscher mit Hilfe einer alten Eismaschine aus Pudding Vanilleeis her. Dabei kam eine Kältemischung aus Eis und Salz zum Einsatz. In sie wird ein Behälter mit dem Pudding gestellt. Durch ständiges Rühren entsteht dann cremiges Eis.
Auch der Spielspaß kam nicht zu kurz. So spielten die Kinder alte Spiele wie Blinde Kuh, Ochs am Berg oder Faules Ei. Weitere Details aus dem Leben früher erfuhren die Kinder, als Gusti Kirchhoff einige Geschichten aus ihrem Buch vorlas.
Am Ende ließen sich die Kinder ihre selbstgemachten Leckereien schmecken. So gab es Butterbrot mit Salz und Schnittlauch oder Zucker, dazu die Limo und zum Nachtisch das selbstgemachte Eis.
Für die Kinder und das Museum war es eine gelungene Zeitreise.

