Reinhardshof. Große Augen gab es bei den jungen Forscher beim
Baustellenforschertag im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring
Wertheim. Heiko Dosch, freier Architekt aus Nassig ermöglichte zwölf
Kinder zwischen acht und elf Jahren einen besonderen Einblick in die
Baustelle des neuen Logistikzentrum der Firma TFA Dostmann auf dem
Reinhardshof. Unterstützt wurde er dabei von seiner Ehefrau Katrin
Dosch. Die Kinder lernten auch die Aufgaben eines Architekten und die
Regeln beim Planen und Bauen von Häusern kennen. Anfangs stellte Dosch
das Bauprojekt vor, in dessen Baucontainer sich die Gruppe traf. Im
neuen Logistikzentrum sollen Waren die im Ausland für die Firma
hergestellt wurden, gelagert, neu verpackt und versendet werden. Die
Planungen für den Komplex hätten mit dem Entwurfs eines Logistikers
begonnen, die die Anforderungen beschrieben. Auf deren Grundlage habe er
dann die weiteren Pläne erstellt. Wie er an Beispielen demonstrierte,
unterscheide man Grundrisspläne, die in einem Art Schnitt das
Gebäudeinnere abbilden und Außenansichten. "Beide Pläne müssen zur
Genehmigung beim Bauamt der Stadt Wertheim eingereicht werden." Im
Anschluss sammelten die jungen Forscher Gründe warum es genaue Vorgaben
für die Errichtung von Gebäuden gibt. Grundlage seien, so der
Architekt, einmal die Flächennutzungspläne, die festlegen wo zum
Beispiel ein Wohngebiet und wo ein Industriegebiet ist. Darauf aufbauend
seien die Bebauungspläne, die unter anderem Gebäudegrößen, Fensterarten,
Dachfarben und Baumaterialien vorschreiben. "Das ist wichtig, dass zum
Beispiel zwischen den Fachwerkhäusern der Altstadt keine
Stahl-Glas-Bauten entstehen", stellte ein junger Forscher fest. Weitere
Gründe seien zum Beispiel der Lärmschutz oder das vermeiden von Streit
mit den Nachbarn, zählten die Kinder auf.
Dosch erläuterte den Bau der Halle anhand von Fotos. Am Anfang sei die
Vermessung des Grundstücks gestanden, dabei ermittle man unter anderem
dessen Gefälle. Erstaunt waren die Kinder über die großen Maßstäbe des
Bauprojekts. So sei das Grundstück 26 400 Quadratmeter groß, das Gebäude
habe rund 4000 Quadratmeter Fläche. "Es steht im oberen Drittel des
Grundstücks, so dass eine Erweiterung nach unten möglich ist." Die Halle
würde noch zwei weitere Mal auf das Gelände passen. Das Gebäude sei rund
16,5 Meter hoch. Die Regale im Inneren würden bis auf eine Höhe von 14
Metern reichen. "Um zum Beispiel Lampen an der Decke anzubringen, setze
man eine Scherenhebebühne ein", erklärte er. Diese konnten die Kinder
auch in Aktion sehen. Zu Beginn habe man große Stützen aufgestellt, die
in Aschaffenburg produziert wurden. Am meisten werde Beton mit
Stahleinlage als Baumaterial verwendet, denn das Stahlgerüst gebe dem
Beton halt. Insgesamt kämen 300 bis 400 Tonnen Stahl zusammen. Auch die
einzelnen Baugeräte wurden erläutert. Beim Rundgang durch die Baustelle
und den Gebäuderohbau sahen die Kinder neben der großen Lagerhalle auch
den Bereich wo später angeliefert und versendet wird. Dabei wurden sie
auf große Betonplatten aufmerksam. Diese seien nötig, um den
Notstromgenerator aus dem Keller ein und auszubauen. Er versorgt die
Sprinkleranlage mit Strom und bringt bereits nach fünf Sekunden seine
volle Leistung, erklärte Dosch den staunenden Kindern. Überhaupt sei
Brandschutz wichtig, so gebe es unterirdisch einen Wassertank für die
Sprinkleranlage der rund 640 000 Liter Wasser fasst. Während des
Rundgangs durfte jedes Kind einmal mit dem großen Bagger mitfahren, was
natürlich besonders gut ankam. Zurück im Baucontainer lernte der
Nachwuchs die einzelnen Planelemente kennen und jeder zeichnete einen
Grundrissplan seines Traumhauses. Am Ende durfte jeder Teilnehmer auch
einige Planteile am PC konstruieren.


