Bettingen. Die Arbeit von Schreinern lernten vierzehn Kinder zwischen
acht und elf Jahren im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring
Wertheim am Freitag kennen. Bei der Schreinerei Kraft in Bettingen
erfuhren sie von Geschäftsführer Simon Kraft und seinen Mitarbeitern
vieles über die Tätigkeiten und die eingesetzten Maschinen und
Werkzeuge. Außerdem durften sie einige Tätigkeiten ausprobieren. Das
Unternehmen mit seinen aktuell zwölf Mitarbeitern ist auf den
Innenausbau von Geschäftsräumen spezialisiert. Das Angebot umfasst
sowohl die Planung als auch den Bau von Möbeln für Kunden in ganz
Europa. Zuerst erfuhren die jungen Forscher, dass die Berufsbezeichnung
Schreiner schon sehr alt ist, heute verwende man hauptsächlich den
Begriff Tischler. Auch die Materialien seinen vielfältiger geworden,
neben Holz und Spanplatten verarbeite man im Unternehmen unter anderem
Glas, Metall und Kunststoffe, aber auch bedruckte Oberflächenfolien.
Zuerst lernten die Gäste anhand von Fotos verschiedene Projekte der
Schreinerei kennen. Dabei sahen sie auch, wie Licht die Wirkung eines
Raums verändern kann. In der Werkstatt stellten die beiden Lehrlinge,
Manuel Nenner aus dem zweiten Lehrjahr und Fabian Klüpfel aus dem ersten
Lehrjahr, die verschiedenen Werkzeuge und Maschinen vor. Die Kinder
staunten über die große Presse, mit der Platten verbunden werden. Zum
Einsatz kämen aber auch altbewährte Werkzeuge wie das Streifmaß, mit dem
man in genau festgelegten Abständen das Holz einritzen kann. Auf der
Baustelle komme auch der Handhobel zum Einsatz. Wie es ist damit zu
arbeiten, konnten die Gäste selbst testen. In den ersten Wochen der
Ausbildung übe man zuerst nur die Arbeit mit Handwerkzeugen wie Säge,
Hobel und Feile, berichteten die Lehrlinge. Im nächsten Raum erklärten
sie den Kindern den Plattenzuschnitt, die Formatkreissäge und die
maschinellen Hobel. Besonders interessant war die große CNC Fräse. "Das
Abfallholz wird geschreddert, in einem großen Silo neben dem Gebäude
gelagert und anschließend in unsere Heizung verbrannt", erläuterte
Kraft. Viel Arbeit würde die Kantenleimmaschine abnehmen, die die
Platten rundherum mit einer Band versieht. Sie schafft bis zu 20 Meter
Randlänge pro Minute.
Im Büro erläuterte Sven Pfandler, der im Unternehmen für Planung und
Kundenberatung verantwortlich ist, die Anforderungen des Tischlerberufs.
Man müsse gut Kopf rechnen können, weiterhin seien Technik und Deutsch
wichtig, aber auch Sportlichkeit, denn man muss heben können. "Wichtig
ist Fleiß, denn ihr müsst bereit sein auch im Beruf viel zu lernen." Im
Anschluss präsentierte er die Planung eines Regals und Schranks mit
Hilfe eines 3D- Konstruktionsprogramms. "Wichtig ist es hier richtig zu
arbeiten, sonst wird das ganze auch falsch gebaut", betonte er. Die
Daten des Programms würden direkt an die CNC Maschine übertragen. Das
Programm werde auch verwenden um 3D-Modelle für ganze Räume zu erstellen.
Als Schreiner habe man neben dem klassischen Weg Lehrling, Geselle,
Meister und Techniker auch mit Möglichkeit Holztechnik zu studieren,
beschrieb er die Chancen.
Nun durfte sich jedes Kind als Schreiner versuchen. Zuerst sahen sie das
Zuschneiden und automatischen Hobeln von Echtholzplatten, danach wurden
diese in der CNC Maschine mit ihrem Namen beschriften. Nun mussten die
Nachwuchsforscher noch die Kanten von Hand abschleifen, bevor sie die
Schilder mit nach Hause nehmen durften.


