Wertheim. Die Kinderuni Wertheim des Stadtjugendring Wertheim in
Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei drehte sich am Freitag den 28.
November um ein spannendes Thema aus der Naturwissenschaft. Die
Juniorstudenten gingen der Frage nach: "Was ist Vakuum und was bewirkt
es?" Dietmar Brandt, Verkaufsbereichsleiter bei der Bestenheider Firma
Vacuubrand, erläuterte mit Hilfe von vielen Experimenten den besonderen
Zustand. Die Juniorstudenten durften bei diesen kräftig mithelfen.
Zuerst räumte er mit einem weit verbreiteten Definitionsirrtum auf.
"Auch nicht ganz luftleere Räume haben Vakuum", betonte er. Man spreche
von diesem wenn sich in einem Raum weniger Luft befinde als in der
Umgebung. Ein praktisches Beispiel hierfür seien Saugknöpfe von
Handtuchhaltern oder die Saugnäpfe an den Füßen von Geckos. Auch beim
Bergsteigen könne man das Vakuum erleben. "Bereits oben auf der
Zugspitze mit ihren knapp 3000 Metern herrscht ein Vakuum von 30
Prozent, das bedeutet von drei Teilen Luft wurde eines weggenommen",
erläuterte der Experte. Auf dem Mount Everest mit rund 9000 Metern Höhe
seien es bereits 70 Prozent Vakuum. "Mir ist das zu beschwerlich,
deshalb arbeite ich bei Vacuubrand, da kann ich Vakuum im Raum machen",
scherzte er. Wie dies funktioniert und was Vakuum alles bewirkt
erarbeitete er dann gemeinsam mit den Kindern anhand vieler Experimente.
Zuvor stellte er klar, dass es selbst im Weltraum kein absolutes Vakuum
gebe. "Überall gibt es einige Luftmoleküle." Auch keine Vakuumpumpe
würde einen vollständig luftleeren Raum erzeugen können. Im ersten
Experiment sahen die Kinder, dass aufgeblasene Ballons unter Vakuum
wachsen, jedoch nicht wenn diese ein Loch haben. Die Luft im Ballon
dehne sich bei fehlendem Außendruck aus, da sich der Druck ausgleichen
will, erläuterte er. Das gehe aber nicht wenn der Ballon ein Loch habe,
denn dann entstehe auch in ihm ein Vakuum. Besonders gefiel den Kindern
als Brandt mit Hilfe von Vakuum drei große Blechdosen implodieren lies.
Damit bewies er auch, dass der Witz man habe Vakuum im Kopf nicht
funktionieren kann. "Der atmosphärische Druck drückt mit einem Kilogramm
je Quadratzentimeter auf unseren Schädel, wäre dieser luftleere wäre er
nicht mehr rund", machte er deutlich. Die Kinder durften auch den
Versuch der Magdeburger Halbkugel ausprobieren. Ist der Zwischenraum der
Kugel komplett evakuiert, hatten sie keine Chance die Hälften zu
trennen, anders sah es aus, wenn sich noch mehr Luft dazwischen befand.
Natürlich durfte auch der Versuch mit den im Vakuum wachsenden
Mohrenköpfen nicht fehlen.
Ein Kind durfte in ein Vakuummessgerät blasen und daran saugen. Damit
verdeutlichte Brandt, dass wir auch als Mensch Über- und Unterdruck
erzeugen können.
Anhand dreier Colaproben, normal, sirupartig und in Pulverform ging er
auf eine der häufigsten Anwendungen von Vakuum ein, dem Verdampfen von
Flüssigkeiten ohne Hitze. Wie das funktioniert verdeutlichte er an einer
Wasserprobe. Bei Raumtemperatur wurde sie in einen dichten Glasbehälter
gegeben aus dem die Luft gepumpt wurde. Zuerst begannen sich Blasen zu
bilden. "Die im Wasser gelöste Luft wird aus ihm herausgeholt",
erläuterte der Referent. Danach begann die Verdampfung. Zur Überraschung
der Kinder blieb am Ende Eis im Probebehälter zurück. "Jedes Teilchen
Wasser das verdampft nimmt Wärme mit, deshalb wird das zurückbleibende
Wasser immer kälter und gefriert", erklärte der Experte. Einige
Anwendungsbeispiele von Vakuum verdeutlichte er abschließend in einer
Geschichte über einen Forscher, der Pflanzenmedizin im Urwald suchte. Er
verwendete das Vakuum zum Beschleunigen der Filterung von Proben und zum
Verdampfen der Lösungsmittel. "Würde man die Probe erhitzen um dieses zu
verdampfen, könnte man Inhaltsstoffe zerstören", wusste eines der
Kinder. bdg


