Samstag, 21. Juni 2014

Forscherferien Pfingsten: Kinder lernten die russisch-orthodoxe Konfession kennen

Reinhardshof. Die Forscherferien Pfingsten des Stadtjugendring Wertheim
stehen unter dem Motto "Mensch und Natur". Nachdem es am Mittwoch im
Freilandmuseum Gottersdorf einen Einblick in das Leben der Menschen
früher gab, erfuhren die jungen Forscher am Donnerstag vieles über die
russisch-orthodoxe Konfession. Eingeladen dazu hatte die
russisch-orthodoxe Gemeinde Wertheim mit ihrer Kirchenältesten Irina
Nikolskij. In der Michaelskirche auf dem Reinhardshof berichtete Katrin
Ziske den jungen Forscher vieles über den Glauben und die Traditionen
ihrer Konfession. "In den orthodoxen Kirchen gibt es keine Statuen, wie
in katholischen Gotteshäusern, sondern Heiligenbilder, sogenannte
Ikonen", berichtete die Studentin der Religionswissenschaft und Tochter
des Priesters der Gemeinde. Diese würde von den Gläubigen mit sehr viel
Respekt behandelt. "Ikonen helfen uns dabei, uns auf die Heiligen zu
konzentrieren zu denen wir sprechen", erklärte sie weiter. An diese
würde man sich wenden um sie darum zu bitten, dass sie bei Gott für
einen beten. "Denn sie stehen Gott sehr nahe." Alle eigenen Gebete
richte man aber direkt an Gott, von ihm gebe es jedoch keine Ikone, den
die Bibel verbiete sich ein Gottes-Bild zu machen. Die Teilnehmer
staunten über die vielen Heiligenbilder, die sich an der Wand vor dem
Altar befanden. "Den Altarraum dürften nur der Priester und die
Ministranten betreten", betonte Ziske. In Mitten der Bilderwand gebe es
eine Art Tür, die "Königspforte", erklärte sie weiter. "Durch sie darf
nur der Priester oder noch höhere Geistliche wie der Bischof gehen."
Dem neunjährigen Christoph fiel das besondere Kreuz auf, dessen einer
Querbalken schräg stand. Ziske erläuterte, dies sei das Zeichen für eine
Geschichte die sich bei der Kreuzigung Jesu zugetragen habe. Mit Jesus
seien zwei Täter gekreuzigt worden, einer von ihnen zeigte im Gespräch
mit Jesus reue, für ihn stehe die Seite die Richtung Himmel zeigt. Der
andere habe den Gottessohn, verspottet, dafür zeige die Seite nach
unten. Etwas befremdlich fanden manche der Kinder,dass die Ikonen von
den Gläubigen geküsst werden.
Die jungen Forscher zwischen sieben und neun Jahren stellten in Gruppen
ihre katholische und evangelische Gottesdienste vor und erfuhren im
Anschluss welche Unterschiede es zwischen diesen und den Liturgien in
den orthodoxen Konfessionen gibt. Ausführlich besprochen wurden auch
die Festtage. So richte sich das orthodoxe Weihnachtsfest nach dem alten
julianischen Kalender und werde deshalb erst am 6 und 7.Januar gefeiert.
"Ostern hingegen richtet sich nach dem Mondkalender", erklärte Ziske,
somit könne der Termin um einige Wochen von denen bei uns üblichen
Ostertagen abweichen.
Die Expertin ging auch auf die Fastenzeit und ihre Regeln ein. Anhand
von Fotos verdeutlichten die Mitglieder der Gemeinde den Gästen ihre
Gottesdienste und Feiern. Danach konnten die Nachwuchsforscher in
Gruppen die russische Kultur kennen lernen.
So übte man den eigenen Namen in kyrillischer Schrift zu schreiben und
sich auf russisch vorzustellen. Außerdem wurden "Nüsse", eine gefüllte
russische Spezialität, gebacken. An einer weiteren Station bastelten die
Teilnehmer bunte Tauben. Die abschließende Gesprächsrunde zeigte, dass
die Kinder viel Neues gelernt hatten.