Wertheim/Bad Mergentheim. Eine Zeitreise in die Anfänge des
20.Jahrhundert erlebten 38 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren am
vergangenen Donnerstag im Rahmen der Forscherferien des Stadtjugendring
Wertheim. Begleitet von den ehrenamtlichen Betreuern Birger-Daniel
Grein, Nicole Lotz und Alfons Göpfert erfuhren sie im
Deutschordensmuseum Bad Mergentheim wie Kinder vor 100 Jahren lebten.
Zur Einstimmung galt es Kinderbilder aus verschiedenen Jahrzehnten von
1880 bis 1990 ihrer Zeit zuzuordnen. Dabei bekamen die Kinder schon
einen Einblick in die damalige Kleidung. Anhand alter Puppenstuben
besprach Gesine Waal, vom Museum, anschließend die Ausstattung der
Wohnungen. Die Kinder erfuhren auch wie man sich früher wachen musste
und das ärmere Familien meist nur einen Raum für Leben, Kochen und
Schlafen hatten. Da war so mancher froh in der heutigen Zeit zu leben.
Für große Augen sorgte das original "Plumsklo", das im Schloss, erhalten
ist. "Da geht es ganz schön tief runter in den Graben", stellten einige
der jungen Forscher fest. Waal hatte auch alte Haushaltsgeräte, wie ein
Handquirl oder ein Bügeleisen das mit Kohle gefüllt wurde, mitgebracht.
Im Anschluss konnten die Kinder zusammen mit Museumsmitarbeiter Daniel
Gökert einige Kinderspiele aus der vergangenen Zeit ausprobieren.
Brettspiele gab es, wie die Kinder erfuhren, damals eigentlich nur
eines, das Schachspiel. Die Kinder spielten gerne mit Naturmaterialien
und Holzspielzeug. Auch die Nachwuchsforscher hatten die Möglichkeiten
zu Murmeln, mit Nüssen zu spielen oder mit Holzklötzen zu bauen. Auch
einige Gruppenspiele wurden ausprobiert. So hüpften die Kinder auf dem
Steckenpferd oder glitten mit Brettern, an denen Borsten angebracht
waren, im Wettlauf über den Boden. "Mir gefallen die Spiele von vor 100
Jahren besser als die heutigen, da muss man sich mehr konzentrieren",
stellte die neunjährige Magdalena fest. "Die sind aber auch
anstrengender weil man mehr laufen und mehr denken muss", ergänzte der
gleichaltrige Benjamin, der auch gefallen an den alten Spielen fand.
"Damals hatten die Kinder zwar weniger Freizeit als heute, haben aber
mehr gespielt, denn es gab ja keinen TV und keine Konsolen", erklärte
Gökert abschließend. Ute Jäger führte die Kinder in die Einkaufwelt von
damals ein. Wie diese feststellten, waren die meisten Waren in den
damaligen Läden nur lose erhältlich. In einer Raterunde sollten die
Kinder Gewürze, aber auch Kernseife und Bohnerwachs am Geruch erkennen.
Safran und Hirse hingegen konnte man nur durch ihr Aussehen
identifizieren. Gar nicht so einfach war es für die Teilnehmer mit Hilfe
einer alten Waagen und verschiedenen Gewichten das Gewicht von
Kartoffeln zu bestimmen. Nachdem jedes Kind eine Papiertüte gefaltet
hatte, wurden diese, ganz wie damals, mit Rosinen befüllt. Zum Abschluss
betrachteten die Kinder das Modell eines Spielzeugladens von 1930, und
lernten dabei die Spielzeuge der damaligen Zeit kennen.
Nach dem Workshop besichtigten die Kinder in Gruppen auch andere
Abteilungen des Museums. dabei fanden sie vor allem das Kettenhemd, das
man anprobieren konnte, sowie das große Schlossmodell faszinierend.


