Wertheim. Dort wo normalerweise die Gemeinderäte über wichtige
Zukunftsfragen beraten hatten am Donnerstag Kinder die Möglichkeit ihre
Fragen an Oberbürgermeister Stefan Mikulicz zu stellen. Im Rahmen der
Kinderkulturwochen hatte das Stadtoberhaupt, das zugleich Schirmherr der
Veranstaltungsreihe ist, die jungen Bürger eingeladen um mehr über ihn
und seine Aufgaben zu erfahren. Der Vorschlag für das Treffen stammte
vom Stadtjugendring Wertheim. Mikulicz sagte sofort zu. So nahmen 14
Kinder zwischen sieben und elf Jahren im Sitzungssaal des Rathauses
Platz. "Wer von euch kennt mich?" fragte er in die Runde. Die meisten
der Kinder hoben die Hand. "Ich hab dich beim Familienlauf gesehen",
erklärte zum Beispiel der siebenjährige Ray Lenski. Zuerst stellte der
Oberbürgermeister die Aufgaben des Gemeinderats vor. "Das sind 26
Bürgerinnen und Bürger, die hier einmal im Monat tagen und dabei
bestimmen wie die Zukunft der Stadt baulich und inhaltlich aussehen
soll", erläuterte er. "Ich bin der Vorsitzende des Gemeinderats und
außerdem Leiter der Verwaltung", fügte er hinzu. Aufgabe der Verwaltung
sei es, so der OB, die Entscheidungen des Gemeinderats umzusetzen. Das
Stadtoberhaupt legte aber auch Wert darauf die jungen Besucher näher
kennenzulernen. So wurde über Musikinstrumente, Lieblingsserien aber
auch Lieblingsbücher gesprochen. Dabei zeigte sich, zur Freude von
Mikulicz, dass die Kinder oft die Stadtbücherei nutzen.
Auf die Frage wer denn selbst einmal OB werden möchte meldete sich nur
ein Junge. Mikulicz stellte dabei fest: "Das macht aber viel Spaß." Er
selbst hatte als Kind auch nicht das Ziel Oberbürgermeister zu werden,
"eher Polizist", merkte er an. Später arbeitete er dann als Architekt
und Bauingenieur bis er in einer größeren Stadt Baubürgermeister und
schließlich Wertheims Oberbürgermeister wurde.
Es wurde auch die Frage erklärt wie man Oberbürgermeister werden kann.
Dabei erläuterte der OB die Schritte von der Bewerbung bis zur Wahl auf
acht Jahre. Er erläuterte den Kindern auch, dass sein Arbeitstag zwölf
bis 14 Stunden umfasst und vollgepackt ist mit Besprechungen, aber auch
Empfängen und Vorortterminen.
Mikulicz wollte auch wissen, was die Kinder an seiner Stelle verändern
würden. Unter der Vorschlägen waren dabei auch ganz konkrete
Kritikpunkte. So schlug die elf jährige Svenja Kiesecker vor, für den
Fußweg vom Burgblick zum Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium einen
Winterdienst einzurichten und die Straßen in Ordnung zu halten.
Die Kinder stellten im Gespräch auch viele persönliche Fragen. Dabei
erfuhren sie, dass der OB drei Töchter hat und seine Freizeit am
liebsten mit der Familie verbringt. Zwei elfjährige
Nachwuchsjournalisten nutzten den Termin auch um Material für einen
Artikel in ihrer Schülerzeitung zu sammeln. So entlockten sie Mikulicz,
dass er als Kind auch mal in Raufereien verwickelt war, und dass er auch
heute noch Spielzeugläden mag. Außerdem erklärte er, auf Nachfrage der
zwei Mädchen, dass in seinem Kühlschrank keinesfalls kaltes Wasser
fehlen darf. Mit etwas zögern verriet er auch seinen Abischnitt von 2,4.
"Das war aber der zweit beste Schnitt, damals gab es die Note eins fast
nie", ergänzte er.
Nach dem Gespräch überreichte er den Kindern ein kleines Präsent. Im
Anschluss führte Kathrin Lampert die jungen Besucher durchs Rathaus,
wobei sie zuerst das Standesamt und die Druckerei besichtigten. Gestaunt
wurde über den großen Aktenvernichter auf der Rückseite des Rathauses.
Außerdem besuchte man das Dienstzimmer des OB. Den Abschluss bildete ein
Besuch im Ordnungsamt wo die Mitarbeiter den Kindern die Funktion einer
Lasermessanlage zur Geschwindigkeitskontrolle vorführten.
