Montag, 23. März 2015

Kinderuni: Kinderarzt Martin Englert referierte über das menschliche Immunsystem

Wertheim. Die erste Vorlesung des Sommersemesters der Kinderuni des

Stadtjugendring Wertheim am Samstag im Kulturhaussaal stieß auf großes

Interesse. Die Stadtbücherei Wertheim hatte die Veranstaltung wieder

unterstützt und ergänzende Bücher für die interessieren Kinder bereit

gelegt. Martin Englert, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, sprach

über das menschliche Immunsystem. Mit vielen Fotos und Videoclips

erarbeitete er zusammen mit den Zuhörern das komplexe Thema. Dabei ging

er ausführlich auf die fünf Teile der menschlichen Abwehr ein. Die

Nachwuchsstudenten brachten dabei Vorwissen ein, lernten aber auch viel

Neues, und einige Fachbegriffe. Erster Schutz des Körpers seien die Haut

und die Schleimhäute, so der Mediziner. An einem Foto verdeutlichte er,

während Bakterien nur ein kleiner Punkt seien, stelle die Haut eine Burg

dar, die sie nicht einnehmen könnten. Verletzte man sich aber, habe

diese Burg ein Loch und Bakterien könnten eindringen, was Entzündungen

zur Folge haben könne. Er ging auch auf den Aufbau der Haut ein. Auch

sie enthalte schon Abwehrzellen. "Die Haut von Babys schützt noch nicht

so gut, wie die von Erwachsenen", erläuterte er. Der nächste

Schutzmechanismus seien die sogenannte Defensine, man könne sie sich wie

Dornen in der Haut vorstellen die Bakterien aufspießen und sie so kaputt

machen. Nächstes Schutzsystem seien die Kommensalen, gute Bakterien, auf

der Haut und im Darm. " Ein Körper eines Erwachsenen hat rund 100

Billionen Zellen. Auf und in ihm leben zehn Mal so viele gute Bakterien,

also eine Trillion. Diese schützten uns vor bösen Bakterien in denen sie

spezielle Gifte abgeben, die Krankheitserreger töten. Es folgte die

unspezifische Immunabwehr, die "alles Böse" kaputt macht. Diese weißen

Blutkörperchen würden Fremdkörper aufnehmen und verdauen. "Die

Fresszellen sind eine Art große Müllabfuhr."

Auf einer Aufnahme des Elektronenrastermikroskop staunten die Kinder

über die Fresszelle, die ein bisschen wie ein Alien aussah. Besonders

beeindruckend war ein Video, dass eine Mikroskopaufnahme des

"Fressvorgangs" zeigte. "Das Gehirn braucht Zucker und Bewegung um gut

zu denken", erklärte er dazwischen. Deshalb versorgte er die Kinder mit

Süßem und lud sie zu einer Sportübung als Superman ein. Nach dieser

kurzen Pause ging er auf den, wie er sagte, schwierigsten Teil ein, die

spezifische Immunabwehr. Diese passe genau zu einem Bakterium oder

Virustyp. Warum sie nötig ist, machte er an einer Skizze deutlich. "Aus

einem Bakterium werden sehr schnell durch Teilung tausende, und diese

schaffen die Fresszellen nicht mehr." So würden die Kinder krank und

bekämen Fieber, in dem der Körper gegen die Bakterien kämpfe. Dabei

helfen ihm Antikörper und Antigene, letztere können Bakterien oder

Virusteile sein. Die B-Lymphozyten erzeugten Antikörper, die aussehen

wie eine Art Zange. Sie würden genau auf die Oberfläche eines Virus oder

Bakteriums passen und hielten sich dort fest. Anschließend verbinden sie

sich. So würden die Krankheitserreger verklumpen und könnten gemeinsam

von einer Fresszelle aufgenommen werden. "Kinder werden häufiger Krank

als Erwachsene, da ihr Immunsystem die Krankheitserreger erst

kennenlernt", so Englert. Die Antigene der Erreger würden sich an

bestimmte Stellen der B-Lymphozyten hängen, gesteuert durch

T-Lymphozyten würden diese dann Antikörper herstellen und sich teilen.

Es entstünden Plasmazellen, die gegen die Erreger angehen. Einige von

ihnen blieben auch nach der Krankheit erhalten und bilden

Gedächtniszellen, die sich schnell vermehren können und eine Krankheit

schon vor dem Ausbruch ausschalten. Auch auf das Impfen ging er ein.

Dabei spritze man Teile eines Erregers, die bereits tot seien und nicht

krank machen. Im Körper entstehen dann Antikörper, die im Nützen, wenn

man mit dem echten Krankheitserreger in Kontakt kommt.