Wertheim. Die erste Vorlesung des Sommersemesters der Kinderuni des
Stadtjugendring Wertheim am Samstag im Kulturhaussaal stieß auf großes
Interesse. Die Stadtbücherei Wertheim hatte die Veranstaltung wieder
unterstützt und ergänzende Bücher für die interessieren Kinder bereit
gelegt. Martin Englert, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, sprach
über das menschliche Immunsystem. Mit vielen Fotos und Videoclips
erarbeitete er zusammen mit den Zuhörern das komplexe Thema. Dabei ging
er ausführlich auf die fünf Teile der menschlichen Abwehr ein. Die
Nachwuchsstudenten brachten dabei Vorwissen ein, lernten aber auch viel
Neues, und einige Fachbegriffe. Erster Schutz des Körpers seien die Haut
und die Schleimhäute, so der Mediziner. An einem Foto verdeutlichte er,
während Bakterien nur ein kleiner Punkt seien, stelle die Haut eine Burg
dar, die sie nicht einnehmen könnten. Verletzte man sich aber, habe
diese Burg ein Loch und Bakterien könnten eindringen, was Entzündungen
zur Folge haben könne. Er ging auch auf den Aufbau der Haut ein. Auch
sie enthalte schon Abwehrzellen. "Die Haut von Babys schützt noch nicht
so gut, wie die von Erwachsenen", erläuterte er. Der nächste
Schutzmechanismus seien die sogenannte Defensine, man könne sie sich wie
Dornen in der Haut vorstellen die Bakterien aufspießen und sie so kaputt
machen. Nächstes Schutzsystem seien die Kommensalen, gute Bakterien, auf
der Haut und im Darm. " Ein Körper eines Erwachsenen hat rund 100
Billionen Zellen. Auf und in ihm leben zehn Mal so viele gute Bakterien,
also eine Trillion. Diese schützten uns vor bösen Bakterien in denen sie
spezielle Gifte abgeben, die Krankheitserreger töten. Es folgte die
unspezifische Immunabwehr, die "alles Böse" kaputt macht. Diese weißen
Blutkörperchen würden Fremdkörper aufnehmen und verdauen. "Die
Fresszellen sind eine Art große Müllabfuhr."
Auf einer Aufnahme des Elektronenrastermikroskop staunten die Kinder
über die Fresszelle, die ein bisschen wie ein Alien aussah. Besonders
beeindruckend war ein Video, dass eine Mikroskopaufnahme des
"Fressvorgangs" zeigte. "Das Gehirn braucht Zucker und Bewegung um gut
zu denken", erklärte er dazwischen. Deshalb versorgte er die Kinder mit
Süßem und lud sie zu einer Sportübung als Superman ein. Nach dieser
kurzen Pause ging er auf den, wie er sagte, schwierigsten Teil ein, die
spezifische Immunabwehr. Diese passe genau zu einem Bakterium oder
Virustyp. Warum sie nötig ist, machte er an einer Skizze deutlich. "Aus
einem Bakterium werden sehr schnell durch Teilung tausende, und diese
schaffen die Fresszellen nicht mehr." So würden die Kinder krank und
bekämen Fieber, in dem der Körper gegen die Bakterien kämpfe. Dabei
helfen ihm Antikörper und Antigene, letztere können Bakterien oder
Virusteile sein. Die B-Lymphozyten erzeugten Antikörper, die aussehen
wie eine Art Zange. Sie würden genau auf die Oberfläche eines Virus oder
Bakteriums passen und hielten sich dort fest. Anschließend verbinden sie
sich. So würden die Krankheitserreger verklumpen und könnten gemeinsam
von einer Fresszelle aufgenommen werden. "Kinder werden häufiger Krank
als Erwachsene, da ihr Immunsystem die Krankheitserreger erst
kennenlernt", so Englert. Die Antigene der Erreger würden sich an
bestimmte Stellen der B-Lymphozyten hängen, gesteuert durch
T-Lymphozyten würden diese dann Antikörper herstellen und sich teilen.
Es entstünden Plasmazellen, die gegen die Erreger angehen. Einige von
ihnen blieben auch nach der Krankheit erhalten und bilden
Gedächtniszellen, die sich schnell vermehren können und eine Krankheit
schon vor dem Ausbruch ausschalten. Auch auf das Impfen ging er ein.
Dabei spritze man Teile eines Erregers, die bereits tot seien und nicht
krank machen. Im Körper entstehen dann Antikörper, die im Nützen, wenn
man mit dem echten Krankheitserreger in Kontakt kommt.

