Montag, 13. Oktober 2014

Kinderuni: Was macht eigentlich die Kriminalpolizei? / Erste Vorlesung stieß auf reges Interesse

Wertheim. Einen gelungen Start gab es am Freitag für die Kinderuni, die

der Stadtjugendring Wertheim in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei

veranstaltet. 25 Juniorstudenten und einige Eltern erfuhren dabei im

Kulturhaussaal von Kriminalhauptkommissar Bernhard Haag,

Polizeipräsidium Heilbronn Referat Prävention, Außenstelle

Tauberbischofsheim, vieles über die Arbeit der Kripo. Neben allgemeinen

Informationen berichtete Haag auch von seinen Einsätzen als

Kriminalbeamter. Anfangs ging er dabei kurz auf die Struktur des

Polizeipräsidiums Heilbronn und die Polizeireform ein. Ein Unterschied

zwischen Kriminalpolizisten und Schutzpolizisten erkenne man sofort.

Während letztere blaue Uniformen tragen und Streifenwagen fahren, seien

Kriminalpolizisten normal gekleidet und fahren normale Autos, die aber

auch der Polizei gehören. "Das ist wegen der Tarnung", stellte ein

Zuhörer treffend fest. Beide Polizeiarten würden einen Dienstausweis

besitzen, Kriminalpolizisten zusätzlich eine Dienstmarke. Dies lies er

durch die Reihen gehen, so dass sie jedes Kind genau betrachten konnte.

Einen weiteren Unterschied betrifft das Tragen der Waffe. Während

Schutzpolizisten diese offen trugen, haben sie die Kripobeamten in einem

Halfter unter der Jacke. "Nutzt ihr Todespatronen oder Platzpatronen?",

wollte ein Juniorstudenten wissen. "Wir haben echte Patronen",

antwortete Haag. Er habe damit zum Glück noch nie auf jemanden schießen

müssen. "Da war ich froh. Es ist ein schwerer Entscheidung für einen

Polizisten mit richtigen Kugeln auf einen Menschen zu schießen. Für

diese hat aber aber meist weniger als eine Sekunde Zeit." Schießen sei

das allerletzte Mittel, und wenn ziele man nur auf Arme oder Beine, nie

auf Kopf oder Rumpf. Er selbst habe nur einmal in die Luft geschossen.

Auf diese Aussage hin entstand eine Diskussion der Kinder ob die

herunterfallende Kugel jemanden verletzten oder etwas beschädigen könne,

was Haag selbst nicht glaubte. Außerdem erfuhren die Zuhörer, dass die

Wirkung einer Kugel von deren Geschwindigkeit abhängt, weniger von deren

Größe. Bei Schussübungen, beantwortete er eine weitere Frage, schieße

man auf Zielscheiben, Pappfiguren von Personen oder auf eine Art Film.

Weiter ging Haag auf den Aufbau der Kriminalpolizei ein, die insgesamt

acht Abteilungen, sogenannte Kriminalinspektionen habe. Das

Kriminalkommissariat Tauberbischofsheim bestehe aus 18 Beamte die für

den gesamten Main-Tauber-Kreis zuständig seien. Diese seien in zwei

Arbeitsbereiche aufgeteilt. Ausführlich behandelte er die einzelnen

Aufgabenbereiche der Kriminalpolizei. Diese sei Zuständig für alle

schweren Fälle der Kriminalität, für die es mindestens ein Jahr

Freiheitsstrafe gebe, außerdem bei Fällen mit umfangreichen Ermittlungen

oder wenn spezielle Kenntnisse notwendig sind. Als Beispiel für diese

nannte er die Telefonüberwachung, die ein Richter aber zuvor erlaube müsse.

Weitere Bereiche seien Straftaten gegen das Leben wie Mord oder

versuchter Mord."Für das Strafmaß ist auch das Motiv des Täters

wichtig", erklärte der Beamte. Zuständig sei man auch für Schwere

Körperverletzung, Raub, Diebstähle von Pistolen, Gewehren und Munition

sowie Rauschgift und wenn der Schaden über 25.000 Euro läge. Zu den

Rauschgiftdiebstählen gehören auch Diebstähle von Betäubungsmittel aus

Apotheken. Beim Tätigkeitsbereich der Sexualstraftaten wandte er sich

auch an die Eltern. "Bringen sie ihren Kindern bei, dass sie zu

körperlicher Nähe auch nein sagen dürfen!" Weitere Bereiche seinen

Einbruch durch Banden, "das sind Teams die damit ihr Geld verdienen",

organisierte Kriminalität und Wirtschaftskrimalität, Geldfälschung,

sowie Brandfälle mit schwerverletzten Menschen oder dem Verdacht auf

Brandstiftung. Dabei ging Haag auch auf die Begriffe "Rocker" und Mafia

ein. Auf die Erzählung eines Kinder von einem versuchten Diebstahl einer

Geldbörse in einem Supermarkt erläuterte Haag: "Jeder darf in

Deutschland eine Person festhalten, die eine Straftat begangen hat,bis

die Polizei kommt."

Für die Ermittlungen bei kleineren Delikte sei die Schutzpolizei

zuständig. "Wenn etwas schlimmes passiert ist, kommt die Kripo. Sie will

wissen, was genau passiert ist und ob jemand etwas dafür kann", fasste

er zusammen.

"Ist schon mal ein Polizist im Einsatz verletzt worden?", wollten die

Kinder wissen. Dies komme vor, auch seien schon Kollegen getötet worden,

berichte Haag. Gefährlich seien vor allem Wohnungsstreitigkeit, denn die

könnten unberechenbar sein. Ein weiterer Zuhörer wollte wissen, ob auch

schon Kinder mithalfen einen Fall zu lösen. Tatsächlich habe es einen

Fall in Bad Mergentheim gegeben, bei dem Kinder das Wegwerfen eine

Tatwaffe beobachteten und der Polizei genau beschrieben wo diese. Das

Tatwerkzeug half dann den Täter zu ermitteln. Die Kripo sei auch an der

Suche vermisster Personen beteiligt. Verschwundene Erwachsene würden nur

gesucht, wenn man davon ausgehen kann, dass sie sich in Lebensgefahr

befinden. "Bei Kindern und Jugendlichen starten wir sofort eine große

Suchaktion", erläuterte Haag,. Spannend fanden die Kinder vor allem den

Vortragsteil über die Spurensicherung. So hatte der

Kriminalhauptkommissar Folien mit Finger- und Fußabdrücken mitgebracht,

die er ausführlich erklärte. Auch echte Beweismittel aus Einbrüchen,

Morden und Banküberfällen gab es zu bestaunen. "Heute ist vor allem die

DNA-Spur wichtig, aber auch digitale Spuren", ergänzte Haag.

Angesprochen wurde weiterhin das Thema Cybermobbing und dessen schwere

Folgen. Auch aus dem Einsatz der Rauschgiftfahnder berichtete Haag.

Er selbst sei vor allem bei der Ermittlung von Todesfällen eingesetzt

gewesen, sagte er. Zum Abschluss gab er den Kindern Tipps zum richtigen

Verhalten, wenn sie von einem fremden Erwachsenen angesprochen werden.

Dies sei meist harmlos. Dennoch sollten sie folgendes beachten: "Sprecht

immer mit den Eltern den Weg ab, haltet Abstand zu fragenden Menschen,

geht möglichst zu zweit in die Schule oder zum Sportverein, sagt höflich

aber bestimmt Fragen sie einen Erwachsenen oder ich weiß es nicht." Auch

auf die Kellyinseln wies er hin.

Bei den Kindern kam die Vorlesung gut an. Der achtjährige Emil Marterer

lobte die Vorlesung. "Am interessantesten fand ich, dass die Kripo

getarnt ist, auch die Waffe." Die gleichaltrige Fabienne Kellner fand

die Sachen aus den echten Taten spannend. "Mir gefiel aber alles",

ergänzte sie. "Es war ein sehr informativer und kindgerechter Vortrag"

lobte er zehnjährige Konstantin Lotz.