Wertheim. Einen gelungen Start gab es am Freitag für die Kinderuni, die
der Stadtjugendring Wertheim in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei
veranstaltet. 25 Juniorstudenten und einige Eltern erfuhren dabei im
Kulturhaussaal von Kriminalhauptkommissar Bernhard Haag,
Polizeipräsidium Heilbronn Referat Prävention, Außenstelle
Tauberbischofsheim, vieles über die Arbeit der Kripo. Neben allgemeinen
Informationen berichtete Haag auch von seinen Einsätzen als
Kriminalbeamter. Anfangs ging er dabei kurz auf die Struktur des
Polizeipräsidiums Heilbronn und die Polizeireform ein. Ein Unterschied
zwischen Kriminalpolizisten und Schutzpolizisten erkenne man sofort.
Während letztere blaue Uniformen tragen und Streifenwagen fahren, seien
Kriminalpolizisten normal gekleidet und fahren normale Autos, die aber
auch der Polizei gehören. "Das ist wegen der Tarnung", stellte ein
Zuhörer treffend fest. Beide Polizeiarten würden einen Dienstausweis
besitzen, Kriminalpolizisten zusätzlich eine Dienstmarke. Dies lies er
durch die Reihen gehen, so dass sie jedes Kind genau betrachten konnte.
Einen weiteren Unterschied betrifft das Tragen der Waffe. Während
Schutzpolizisten diese offen trugen, haben sie die Kripobeamten in einem
Halfter unter der Jacke. "Nutzt ihr Todespatronen oder Platzpatronen?",
wollte ein Juniorstudenten wissen. "Wir haben echte Patronen",
antwortete Haag. Er habe damit zum Glück noch nie auf jemanden schießen
müssen. "Da war ich froh. Es ist ein schwerer Entscheidung für einen
Polizisten mit richtigen Kugeln auf einen Menschen zu schießen. Für
diese hat aber aber meist weniger als eine Sekunde Zeit." Schießen sei
das allerletzte Mittel, und wenn ziele man nur auf Arme oder Beine, nie
auf Kopf oder Rumpf. Er selbst habe nur einmal in die Luft geschossen.
Auf diese Aussage hin entstand eine Diskussion der Kinder ob die
herunterfallende Kugel jemanden verletzten oder etwas beschädigen könne,
was Haag selbst nicht glaubte. Außerdem erfuhren die Zuhörer, dass die
Wirkung einer Kugel von deren Geschwindigkeit abhängt, weniger von deren
Größe. Bei Schussübungen, beantwortete er eine weitere Frage, schieße
man auf Zielscheiben, Pappfiguren von Personen oder auf eine Art Film.
Weiter ging Haag auf den Aufbau der Kriminalpolizei ein, die insgesamt
acht Abteilungen, sogenannte Kriminalinspektionen habe. Das
Kriminalkommissariat Tauberbischofsheim bestehe aus 18 Beamte die für
den gesamten Main-Tauber-Kreis zuständig seien. Diese seien in zwei
Arbeitsbereiche aufgeteilt. Ausführlich behandelte er die einzelnen
Aufgabenbereiche der Kriminalpolizei. Diese sei Zuständig für alle
schweren Fälle der Kriminalität, für die es mindestens ein Jahr
Freiheitsstrafe gebe, außerdem bei Fällen mit umfangreichen Ermittlungen
oder wenn spezielle Kenntnisse notwendig sind. Als Beispiel für diese
nannte er die Telefonüberwachung, die ein Richter aber zuvor erlaube müsse.
Weitere Bereiche seien Straftaten gegen das Leben wie Mord oder
versuchter Mord."Für das Strafmaß ist auch das Motiv des Täters
wichtig", erklärte der Beamte. Zuständig sei man auch für Schwere
Körperverletzung, Raub, Diebstähle von Pistolen, Gewehren und Munition
sowie Rauschgift und wenn der Schaden über 25.000 Euro läge. Zu den
Rauschgiftdiebstählen gehören auch Diebstähle von Betäubungsmittel aus
Apotheken. Beim Tätigkeitsbereich der Sexualstraftaten wandte er sich
auch an die Eltern. "Bringen sie ihren Kindern bei, dass sie zu
körperlicher Nähe auch nein sagen dürfen!" Weitere Bereiche seinen
Einbruch durch Banden, "das sind Teams die damit ihr Geld verdienen",
organisierte Kriminalität und Wirtschaftskrimalität, Geldfälschung,
sowie Brandfälle mit schwerverletzten Menschen oder dem Verdacht auf
Brandstiftung. Dabei ging Haag auch auf die Begriffe "Rocker" und Mafia
ein. Auf die Erzählung eines Kinder von einem versuchten Diebstahl einer
Geldbörse in einem Supermarkt erläuterte Haag: "Jeder darf in
Deutschland eine Person festhalten, die eine Straftat begangen hat,bis
die Polizei kommt."
Für die Ermittlungen bei kleineren Delikte sei die Schutzpolizei
zuständig. "Wenn etwas schlimmes passiert ist, kommt die Kripo. Sie will
wissen, was genau passiert ist und ob jemand etwas dafür kann", fasste
er zusammen.
"Ist schon mal ein Polizist im Einsatz verletzt worden?", wollten die
Kinder wissen. Dies komme vor, auch seien schon Kollegen getötet worden,
berichte Haag. Gefährlich seien vor allem Wohnungsstreitigkeit, denn die
könnten unberechenbar sein. Ein weiterer Zuhörer wollte wissen, ob auch
schon Kinder mithalfen einen Fall zu lösen. Tatsächlich habe es einen
Fall in Bad Mergentheim gegeben, bei dem Kinder das Wegwerfen eine
Tatwaffe beobachteten und der Polizei genau beschrieben wo diese. Das
Tatwerkzeug half dann den Täter zu ermitteln. Die Kripo sei auch an der
Suche vermisster Personen beteiligt. Verschwundene Erwachsene würden nur
gesucht, wenn man davon ausgehen kann, dass sie sich in Lebensgefahr
befinden. "Bei Kindern und Jugendlichen starten wir sofort eine große
Suchaktion", erläuterte Haag,. Spannend fanden die Kinder vor allem den
Vortragsteil über die Spurensicherung. So hatte der
Kriminalhauptkommissar Folien mit Finger- und Fußabdrücken mitgebracht,
die er ausführlich erklärte. Auch echte Beweismittel aus Einbrüchen,
Morden und Banküberfällen gab es zu bestaunen. "Heute ist vor allem die
DNA-Spur wichtig, aber auch digitale Spuren", ergänzte Haag.
Angesprochen wurde weiterhin das Thema Cybermobbing und dessen schwere
Folgen. Auch aus dem Einsatz der Rauschgiftfahnder berichtete Haag.
Er selbst sei vor allem bei der Ermittlung von Todesfällen eingesetzt
gewesen, sagte er. Zum Abschluss gab er den Kindern Tipps zum richtigen
Verhalten, wenn sie von einem fremden Erwachsenen angesprochen werden.
Dies sei meist harmlos. Dennoch sollten sie folgendes beachten: "Sprecht
immer mit den Eltern den Weg ab, haltet Abstand zu fragenden Menschen,
geht möglichst zu zweit in die Schule oder zum Sportverein, sagt höflich
aber bestimmt Fragen sie einen Erwachsenen oder ich weiß es nicht." Auch
auf die Kellyinseln wies er hin.
Bei den Kindern kam die Vorlesung gut an. Der achtjährige Emil Marterer
lobte die Vorlesung. "Am interessantesten fand ich, dass die Kripo
getarnt ist, auch die Waffe." Die gleichaltrige Fabienne Kellner fand
die Sachen aus den echten Taten spannend. "Mir gefiel aber alles",
ergänzte sie. "Es war ein sehr informativer und kindgerechter Vortrag"
lobte er zehnjährige Konstantin Lotz.


