*Grafschaftsmuseum:* Stadtjugendring veranstaltete Exkurs in das
Kunsthandwerk des Scheren- oder Silhouettenschnitts
Wertheim. Als Teil seines Angebots für die Faschingsferien bot der
Stadtjugendring Wertheim am Mittwoch in Zusammenarbeit mit dem
Grafschaftsmuseum einen Exkurs in das Kunsthandwerk des Scheren-
beziehungsweise Silhouettenschnitts.
Magistra Artis Urusla Wehner gab den fünfzehn Kindern der ersten bis
dritten Klassen erst einmal etwas Hintergrundwissen zur Psaligrafie, wie
der Fachausdruck für den Scherenschnitt heißt, mit. Am Beispiel der im
Museum ausgestellten Schnitte von Karl Fröhlich, erklärte sie, wie
ausgeschnittene Schattenrisse im 19. Jahrhundert eingesetzt wurden.
Damals gab es noch keine Fotografie als günstige Alternative zu
Malereien im Buchdruck und so wurden Scherenschnitte zur Porträtierung
von Personen eingesetzt.
Dann durften die neugierigen Jungen und Mädchen auch schon selbst Hand
anlegen, um jeweils von ihrem Gegenüber Scherenschnitte anzufertigen.
Das hierfür erforderliche Handwerkszeug hatte das Museum natürlich
parat: Eine Kabine mit einer Scheibe, durch die eine hinter dem zu
Porträtierenden befindliche Lichtquelle dessen Schatten auf ein dünnes
Papier wirft. Dieser wird einfach mit dem Bleistift nachgefahren, und
schon hat man den Schattenriss.
Der Schattenriss ist aber noch kein Scherenschnitt: Mit einem wahren
Zauberding der Mathematik, dem mechanischen Pantografen (auch
"Krähenschnabel" genannt), wird die Zeichnung erneut nachgefahren und so
verkleinert auf ein einseitig schwarz gefärbtes Papier übertragen.
Erst wenn diese Form dann ausgeschnitten ist, hat man eine echte
Silhouette vor sich. Dabei lernten die Kinder ziemlich schnell, dass der
längst in Vergessenheit geratene Beruf des Silhouetteurs viel
Fingerspitzengefühl erfordert - und warum er so schnell verschwand, wie
er einst aufgekommen war, wurde auch schnell deutlich und von den
Kindern so kommentiert: "Fotografieren ist aber viel einfacher!" gut
Quelle: Fränkische Nachrichten
19. Februar 2010
