Freitag, 21. August 2009

Kinderkulturwochen / Einblick in die Stadtgeschichte war alles andere als langweilig

Wertheim. Eine Stadtführung für 36 Mädchen und Jungen leitete Edith Hörtreiter, Stadtführerin der Fremdenverkehrsgesellschaft, am Mittwoch im Kinderkulturwochen. Bewusst überhäufte sie dabei ihre Zuhörer nicht mit allzu vielen Jahreszahlen, Fürstentiteln und anderen Details. Vielmehr vermittelte sie einen kindgerechten Überblick über die interessante Geschichte der Stadt. Eineinhalb Stunden dauerte der Rundgang durch die historische Altstadt. Am Main überraschte Hörtreiter die Kinder mit der Aussage, dass die Geschichte Wertheims in Kreuzwertheim begonnen hat, wo sich im achten und neunten Jahrhundert die ersten Menschen ansiedelten. Die nächste Überraschung: Bis zum 19. Jahrhundert, als der Main für die Schifffahrt ausgebaut wurde, verband eine Furt die beiden Orte, die die Leute zu Fuß überqueren konnten. Daher waren Wertheim und Kreuzwertheim bis zur Trennung durch Napoleon tatsächlich eine gemeinsame Stadt. Auch sehr interessant: An der Namensendung auf "-heim" kann man erkennen, dass eine Stadt eine fränkische Gründung war, wie Hörtreiter erklärte. Die Franken, die an der Wertheimer Furt einen Außenposten errichteten, waren keine Nürnberger oder Ansbacher, sondern kamen aus dem heutigen Frankreich, um ein mächtiges, aber kurzlebiges Imperium zu errichten. An der Tauber grub die Stadtführerin noch tiefer in der heimatlichen Vergangenheit: Es waren die Kelten, die dem Fluss seinen Namen gaben. Sie bezeichneten ihn aufgrund seiner Färbung als "dubra", zu Deutsch "die Dunkle". Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Tauber teilweise schiffbar. Am heutigen Tauberparkplatz befand sich damals ein kleiner Frachthafen. Am Rathaus und auf dem Rückweg in die Stadt mit Abstecher in die Stiftskirche begaben Hörtreiter und die Kinder sich schließlich in spätmittelalterliche und neuzeitliche Gefilde. So erklärte die Stadtführerin, wieso die Grafschaft Wertheim seit 1611 katholisch und evangelisch gleichzeitig ist, warum der Adler auf dem Stadtwappen am Engelsbrunnen in die falsche Richtung schaut und wie oft Witwen damals täglich in speziellen Kapellen zu beten hatten. Wen solch - teilweise auch witzige - Geschichte und Geschichtchen interessieren, kann an einer der regelmäßigen Stadtführungen teilnehmen. Die meisten der "Miniaturhistoriker", die mit Edith Hörtreiter unterwegs waren, können dies nur empfehlen. Für sie stand fest: "Geschichte ist alles andere als langweilig." gut / Bild: Gutmann

Quelle: Fränkische Nachrichten vom 21. August 2009